Chronik der Meyersiekschen Mühle

 

Die Wassermühle war in früherer Zeit die „Zwangsmühle“ für die Voigtei Steyerberg. Damals war genau festgelegt, welcher Bauer in ihr sein Getreide mahlen und schroten lassen durfte. Bereits 1245 wurde sie als „Vogedien Molen“ erwähnt; 1679 ließ Herzog Wilhelm zu Lüneburg renovieren. 1853 verkaufte dieDomänenverwaltung die herrschaftliche „Amtsmühle“ für 14.300 Taler an den Müller Moldenhauer.

1865 begann die Zeit der Müllerdynastie Meyersiek. Heute ist deren fünfte Generation auf dem Sägewerk und auf dem Kraftwerk. Besitzer Fritz Meyersiek und dessen Sohn Thomas unterscheiden sich von den vorangegangenen Betreibern dadurch, daß beide nicht das Müllerhandwerk erlernt, sondern ausgebildete Landwirte sind.

Anfang der 70iger Jahre wurde der Mahlbetrieb eingestellt. Im alten Gebäude verbindet heute noch ei antiquierter Fahrstuhl die drei Etagen mit dem Keller.

Die Nutzung der Wasserkraft zur Stromwerzeugung hat in der Mühle eine lange Tradition. Bereits 1899 wurde das „Elektrizitätswerk Steyerberg“ gegründet. Die Gleichstromgeneratoren versorgten die Steyerberger Haushalte und Betriebe. 1940 ging das Ortsnetz mit Konzessionsrecht an die Nienburger Stromversorgungs-AG über, der heutigen HASTRA. Meyersieks aber erzeugen noch Energie aus Wasserkraft. Für das Sägewerk, Haus und Landwirtschaft „zapfen“ sie sich 25 Prozent „in die eigene Steckdose“, die verbleibenen 75 Prozent werden in das HASTRA-Netz eingespeist.

Bei gutem Wasserangebot bringen sie es mit Hilfe zweier Turbinen auf eine Höchstleistung von 40 Kilowatt.

Stehen die Turbinen still, gehen wir an das öffentliche Netz. Besser aber ist es für uns, rund um die Uhr Strom zu erzeugen, denn nach dem neuen Stromspeicherunggesetz lohnt es sich für uns abzugeben.

Vor der Aueregulierung 1960 war das Gefälle größer, da gab noch das Wintermaß. Heute gibt es keine Unterschiede mehr-Hochwasser ausgenommen.

Anfang der 80er Jahre trat Fritz Meyersiek der „Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Niedersachsen“ bei, die die Interessen der Betreiber bis nach Schleswig-Holstein vertreten.

Zu der vor kurzer Zeit erworbenen Maschine, die den Rechen in der Aue von Treibgut freimacht, bekam er nun doch einen beantragten Zuschuß.

Früher war es reine „Knochenarbeit“, den Rechen freizuhalten, denn bei Hochwasser ist er immer ruckzuck voll. In solchen Fällen geht automatisch eine Sirene an; die Männer müssen raus – egal ob bei Tag oder in der Nacht. Der Betrieb des Kraftwerkes wirkt aber auch positiv auf die Natur ein, denn durch die Staustufen wird dem Wasser Sauerstoff zugeführt, so daß es nicht mehr so leicht umkippen kann.

Der Mühlenarm ist ein paradiesisches  Stückchen Erde geblieben. Ein Biotop, in dem und an dem sich Flora und Fauna angesiedelt haben. Die schönsten Libellen und seltene Vögel wurden schon bewundert. Durch die Staustufen wird das Wasser gebremst und kann nicht so schnell in andere Flüsse gelangen, läßt aber genug Wasser zurück, daß Flächen regelrechte Feuchtgebiete werden.

Der neue "Rechen" wurde eigebaut
Der Sägeplatz vor dem Sägwerk

„Wir betreiben eine umweltfreundliche Landwirtschaft und sind mit dem zufrieden, was uns der Herr gibt“. Bei uns wird weder gedüngt noch gesprizt. Unsere Traktoren sind mit Filtern ausgerüstet, die jeden Ölwechsel überflüssig machen. Unsere Heizanlagen im Haus und im Betrieb werden mit dem Holz betrieben, das beim Lohnschnitt im Sägewerk anfällt.